Die Evolution des Ganges

Die Evolution des Ganges

  • Am 4. November 2019

Die Evolution des Ganges

IOS-Technik startet mit ihrer fachwissenschaftlichen Serie zum Thema des menschlichen Ganges und seiner Entwicklung

05.11.2019 Den meisten von uns ist bewusst, dass wir nicht immer auf zwei Beinen gegangen sind und der Mensch vom Affen abstammt. Was jedoch hierfür die Ursachen und Gründe waren, ist auch in der Wissenschaft sehr umstritten. Verschiedenste Theorien treffen hier aufeinander. Wir möchten Ihnen die Evolution des Ganges mit den aus unserer Sicht interessantesten Theorien näher bringen.

Vor der Jahrtausendwende kursierten mehrere Theorien zur Evolution des menschlichen Ganges. Zu allererst muss man sagen, dass der Gang auf zwei Beinen auch eine Reihe von Nachteile mit sich bringt. Der Wechsel von vier auf zwei Beine geschah vor ca. 10 bis 5 Millionen Jahren und verlangsamte den Menschen. Eine Flucht vor Feinden war somit schwieriger. Durch den Geschwindigkeitsverlust ist der Druck bei der Nahrungsbeschaffung ebenfalls erhöht worden (Lovejoy, 1981). Die Entwicklung zum Gang, wie wir ihn heute alle betreiben, ist jedoch nicht von heute auf morgen erfolgt. Von daher muss es schon einen enormen Vorteil gegeben haben, den anfangs sehr energieaufwändigen Zweibeingang auf sich zu nehmen. Die Gelenke mussten sich an die neuen Anforderungen gewöhnen und adaptieren. Fasst man die verschiedenen Entwicklungstheorien zusammen, so gibt es schwerpunktmäßig drei Möglichkeiten, wie sich der Gang auf zwei Beinen entwickelte: auf den Bäumen, terrestrisch (auf dem Boden) oder aber im Wasser.
Für alles gibt es ein Für und Wider. Wir möchten versuchen, keine Wertung in einzelne Theorien einzubringen, und legen diese somit auf der Wissenschaft basierend dar.

 

Terrestrisch

Der Wissenschaftler Dart entwickelte 1959 die Theorie des Ausschauhaltens. So entwickelte sich der aufrechte Gang dadurch, dass die Vormenschen einen größeren Bereich überblicken und somit Fressfeinde früher erspähen konnten. Darin enthalten ist auch eine der ältesten Theorien von Dart aus dem Jahr 1925: Die Savannen-Theorie. Darin wird der aufrechte Gang durch einen Klimawandel und somit einer Veränderung des Lebensraums vom Dschungel zur Savanne begründet. Im Jahre 1994 konnte Hunt in seiner Studie darlegen, dass Schimpansen 97 Mal auf zwei Beinen stehen, dabei jedoch nur zweimal ihre Umgebung beobachten.

Eine weitere Theorie ist die Theorie der freien Hand und somit die Möglichkeit, Waffen nutzen zu können (Hewe, 1961) oder aber auch diese werfen zu können (Kirschmann 1999). Etkin hat 1954 die Theorie entwickelt, dass durch den aufrechten Gang der Nachwuchs getragen werden konnte. Dazu gibt es jedoch eine Studie von Watson et al. aus dem Jahre 2008, die zeigt, dass der Energieaufwand deutlich erhöht ist, gerade wenn das Gewicht einseitig wirkt. Paviane tragen ihren Nachwuchs auf dem Rücken während des vierfüßigen Laufstils. Auch für die Nahrungsbeschaffung gibt es verschiedene Theorien. Zum einen die Theorie, um Nahrung zu erreichen, die höher gewachsen ist (Jolly, 1970) und zum anderen die Hypothese, um Nahrung besser transportieren zu können (Hewes, 1961), was jedoch auch auf die Theorie der freien Hände abzielt.

 

Auf dem Baum

Affen sind dafür bekannt, in Bäumen herum zu klettern. So ist auch die Theorie des aufrechten Kletterns unserer menschlichen Vorfahren von Sugardjito und van Hooff im Jahre 1986 entstanden. Dabei sind vor allem die Affenarten betroffen, die ein größeres Gewicht mit sich bringen. Somit hat das aufrechte Klettern einen höheren Abfederungseffekt im Falle eines Sturzes. Durch die oberen Extremitäten, die sich weiter oben an Ästen festhalten, wird das Gewicht anders verteilt und dünnere Äste werden nicht mit dem Gesamtgewicht überlastet.

 

Im Wasser

Hardy begründete seine Hypothesen im Jahr 1960, die besagen, dass der Vormensch eine Phase im Wasser verbracht hat. Das erkläre der verkümmerte Geruchssinn, die Ausdünnung des Felles (stromlinienförmig) oder auch der Schwimmreflex und Tauchreflex von Neugeborenen. Auch das Verlängern der hinteren Extremitäten wird damit begründet, dass somit ein größerer Vortrieb generiert werden kann.

Niemitz stellte im Jahr 2010 eine der neuesten Theorien auf. Diese besagt, dass der Vormensch sich in ufernahen Gewässern aufhielt, die Fähigkeit zu klettern besaß und sich auf vier Beinen fortbewegte. Da sich die proteinreichste Nahrung im Wasser befand, jagten die Vormenschen Fische im Wasser. Zum besseren Stand und aufgrund des geringeren Wasserwiderstandes befanden sich die Vormenschen im aufrechten Gang. Das hatte auch den Vorteil, dass die Hände zur Jagd frei blieben. Im Laufe der Evolution hatten Vormenschen, welche längere Hinterbeine hatten, den Vorteil, weiter in die Gewässer hineingehen zu können, ohne den sicheren Stand zu verlieren. Jedoch waren die längeren Hinterbeine insoweit ein Nachteil, dass an Land ein Gang auf vier Beinen unökonomisch wurde und der Vormensch sich auch an Land auf zwei Beinen fortbewegte. Auch die Anpassung der Gelenke geschah über einen langen Zeitraum. Anfangs wären die unteren Extremitäten gar nicht dauerhaft belastbar gewesen. Durch die Auftriebskraft des Wassers konnte sich auch die Muskulatur stetig an die neuen Begebenheiten anpassen.

Der Gang auf zwei Beinen ist somit ein evolutives Meisterwerk. Als einziges Lebewesen ist der Mensch auf zwei Beinen orthogonal im Lot gebaut. Die Theorien stellen alle einzelnen Aspekte dar, betrachten die Evolution jedoch sehr separiert. Niemitz bringt mehrere Theorien zusammen und versucht, das Gesamtbild zu schildern und zu beachten. Jedoch muss man dazu sagen, dass es ohne jegliche fossile Beweise wohl immer Theorien bleiben werden.

 

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Quellennachweis:

Ko, K. H. (2015). Origins of bipedalism. Brazilian archives of biology and technology, 58(6), 929-934.

Niemitz, C. (2010). The evolution of the upright posture and gait—a review and a new synthesis. Naturwissenschaften, 97(3), 241-263.

Langdon, J. H. (1997). Umbrella hypotheses and parsimony in human evolution: a critique of the Aquatic Ape Hypothesis. Journal of Human Evolution, 33(4), 479-494.

Bildquelle: Shutterstock, lizenzfrei.

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